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WAS IST EIN SOGENANNTES “SCHLEUDERTRAUMA”?
Hierbei handelt es sich um von der Halswirbelsäule ausgehende Beschwerden, die nach einem Unfall, z.B. einer Heckkollision, auftreten. Betroffene berichten von einer Vielzahl von Symptomen, die meistens im Zusammenhang mit Nackenschmerzen auftreten; oft betreffen die Beschwerden das Weichteilgewebe des Nackens. Zur Kategorisierung der Symptome wird in der Regel ein Bewertungsschema der Quebec Task Force (QTF) verwendet, bei dem die Beschwerden auf Basis des klinischen Befunde in vier Klassen, eingeteilt werden. Obwohl der zugrunde liegende Verletzungsmechanismus aus biomechanischer Sicht bis heute nicht vollständig geklärt ist, wird angenommen, dass eine während der Kollision auftretende Relativbewegung zwischen Kopf und Oberkörper, mit den Beschwerden zusammenhängt.
WIE WERDEN FAHRZEUGSITZE AKTUELL GETESTET?
Um zu untersuchen, mit welcher Wahrscheinlichkeit bei einer Heckkollision im Niedriggeschwindigkeitsbereich HWS-Beschwerden auftreten können werden sogenannte Schlittenversuche durchgeführt. Dazu wird ein Crashtest-Dummy auf den zu untersuchenden Fahrzeugsitz gesetzt. Dieser Sitz wird auf einen Schlitten montiert, welcher dann einen vordefinierten Crashpuls erfährt. Um das Verletzungsrisiko zu beurteilen, wird derzeit ein für einen Heckanprall spezialisierter Dummy (BioRID) verwendet. Dieser Dummy repräsentiert einen durchschnittlich grossen Mann (50%iler Mann). Der Dummy ist mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, die das Messen gewisser biomechanischer Parameter erlauben; dies sind vor allem Beschleunigungen, Kräfte und Momente am Kopf sowie am oberen und am unteren Hals. Aus diesen Messwerten werden dann verschiedene Kriterien bestimmt, die zur Beurteilung des Verletzungsrisikos als relevant erachtet werden. Zudem wird die Kinematik des Dummys, d.h. die Bewegung des Dummys während der simulierten Heckkollision analysiert. Neben der dynamischen Beurteilung mittels Schlittentests wird ferner eine statische Beurteilung durchgeführt. Hierbei wird beispielsweise initiale Abstand des Kopfes zur Kopfstütze ermittelt. Die hier beschriebene Beurteilung von Fahrzeugsitzen wird heutzutage hauptsächlich von Organisationen wie Euro-NCAP.durchgeführt wird.
WARUM SIND DIE HEUTIGEN TESTS NICHT AUSREICHEND?
Bisher werden Frauen in den Testverfahren zur Beurteilung des Verletzungsrisikos im Zusammenhang mit HWS-Beschwerden nicht berücksichtigt. Bedenkt man jedoch, dass Frauen ein vergleichsweise höheres Verletzungsrisiko aufweisen als Männer, ist dies ein grosses Defizit. Ein Grund, dass weibliche Fahrzeuginsassen nicht berücksichtigt werden, ist das Fehlen eines geeigneten weiblichen Crashtest-Dummys. Grundsätzlich sind derzeitige Testverfahren daher auf eine Insassengrösse in einer vordefinierten Sitzposition limitiert. Die Berücksichtigung einer entsprechend grösseren Vielfalt von Testbedingungen würde jedoch die Optimierung eines Sitzes für eine weitaus grössere Population erlauben.



